Die sexuelle Evolution – 1a

In dem ersten Teil 1 a, b?, stelle ich auszugsweise Geoffrey F. Millers Buch:
„Die sexuelle Evolution – Partnerwahl und die Entstehung des Geistes“ vor.
Im zweiten Teil folgt dann auch nur auszugsweise Natalie Augiers Buch:
„Frau – Eine intime Geographie des weiblichen Körpers“.

Das Buch kann teilweise online gelesen werden

G. F. Miller ist Evolutionspsychologe.
Millers Theorie entlarvt die Thesen der tradiert normativen Biologie, Psychologie sowie der Anthropologie über die Rolle der Sexualität bei der Entwicklung unseres Gehirns als veraltert. Mit dem auch gut geschriebenen Buch macht die Reise mit seiner provozierenden Theorie sowohl in die Vergangenheit als auch in die Gegenwart, echt Spaß.

Teil 1a

Wissenschaft-Online: Rezensent: Dr. Harald Luksch

Der menschliche Geist und sein materielles Substrat, das Gehirn, stellen eines der faszinierendsten Objekte wissenschaftlicher Forschung dar. Wie konnte sich ein so komplexes und energetisch kostspieliges Organ in der Evolution herausbilden? Kann die rapide Vergrößerung des Gehirns in der fossilen Hominidenreihe tatsächlich durch die natürliche Selektion erklärt werden, obwohl sie anscheinend erst lange nach der Erreichung „moderner“ Gehirngröße zur Entwicklung von beispielsweise besserem Werkzeug führte? Und welchen Überlebensvorteil bieten die spezifisch menschlichen Eigenschaften, die unsere Gehirne so gut beherrschen: Humor, Musik und Kunst, ja das Bewusstsein überhaupt?

Geoffrey Miller sieht einen Lösungsansatz in einem lange vernachlässigten Faktor der Evolution, der sexuellen Selektion. Obwohl Darwin der „geschlechtlichen Zuchtwahl“ einen vergleichbaren Einfluss wie der Umweltselektion einräumte, wurde sie in den Ausarbeitungen der Evolutionstheorie weitgehend übergangen (die Gründe dafür werden in einem historischen Abriss kurz dargelegt). Wie Miller zeigt, kann jedoch die gezielte weibliche Bevorzugung von männlichen Individuen mit größerer geistiger Leistungsfähigkeit die rapide Gehirnentwicklung erklären. Ein möglicher Grund für diese Bevorzugung ist, dass ein großes Gehirn ähnlich wie der prächtige Schwanz eines Pfauenhahns zuerst einmal ein Handicap für seinen Träger darstellt – es ist wesentlich schwerer, damit zu überleben. Andererseits zeigt aber genau das Überleben der Träger an, dass es um ihre genetische Fitness ausgezeichnet bestellt sein muss. Ein Hominidenweibchen, dass gute Fremdgene für den eigenen Nachwuchs beziehen will, sollte also Anzeiger für ein großes Gehirn bevorzugen – und solche könnten zum Beispiel Kreativität, Humor oder Phantasie sein.

Ausgehend von dieser Grundidee betrachtet Miller eine Fülle menschlicher Verhaltensweisen und diskutiert daran äußerst unterhaltsam, welche evolutionären Ursprünge altruistisches Verhalten, Münzfälschung, Sprache oder der Besitz von Geländewagen hat. Wenn auch einige der Erklärungen etwas konstruiert erscheinen, bietet das Buch doch ein Feuerwerk an Anregungen und Denkanstößen und ist darüber hinaus auch noch humor- und phantasievoll geschrieben. Wer sich näher über die Partnerwerbung im Pleistozän und deren evolutionäre Folgen informieren will, ist bei Miller bestens aufgehoben.

Teil 1b folgt.

Advertisements

5 Gedanken zu „Die sexuelle Evolution – 1a

  1. Halte ich nur teilweise fuer plausibel. Am Meisten vermehren sich seit jeher und immer noch, mal ganz krass ausgedrueckt, die Dummen. Sie stellen kaum Ansprueche und finden daher auch an jeder Strassenecke „passende“ Partner.

    Auch bezueglich gebildeter Bevoelkerungsschichten bin ich der Meinung, dass Frauen mehrheitlich nicht herausragend intelligente Partner waehlen, sondern Partner die ausreichend intelligent sind. Mit noch mehr Intelligenz lassen sich Frauen nicht beeindrucken, da wiegen andere Faktoren wesentlich schwerer fuer die Partnerwahl. Dass noch hoehere Intelligenz eher abschreckend wirkt, scheint sich dadurch zu bestaetigen, dass aussergewoehnlich viele hoechstbegabte Menschen Singles sind (der Begriff „hoechstbegabt“ ist definiert durch einen IQ >= 150).

    Damit waeren wir wieder bei der mittlerweile ueblichen Korrektur von Darwins Satz des „survival of the fittest“, naemlich zu „survival of the fit enough“. Fraglich ist auch, ob Intelligenz ueberhaupt in der Form vererblich ist. Die Voraussetzungen fuer Intelligenz sind es vielleicht, aber die sind moeglicherweise schon viel laenger vorhanden, und wurden mangels Bildung und Herausforderung des jeweils lebenden Menschen frueher nicht so genutzt wie heute. Somit stellt sich die Frage, wieviel Einfluss die Evolution des Gehirn im relativ kurzen Zeitabschnitt der letzten tausend bis zehntausend Jahre ueberhaupt auf die Intelligenz gehabt hat, oder ob die (scheinbar?) rasante Entwicklung der Intelligenz in der Neuzeit nicht anderen als nur biologischen Faktoren zuzuschreiben ist.

    • Am Meisten vermehren sich seit jeher und immer noch, mal ganz krass ausgedrueckt, die Dummen. Sie stellen kaum Ansprueche und finden daher auch an jeder Strassenecke „passende“ Partner.

      Miller berücksichtigt nicht die Dummen, zumal nicht bekannt ist, wie viele Dumme es seit den Anfängen der Evolution des Menschen gegeben hat.

      Auch bezueglich gebildeter Bevoelkerungsschichten bin ich der Meinung, dass Frauen mehrheitlich nicht herausragend intelligente Partner waehlen, sondern Partner die ausreichend intelligent sind. Mit noch mehr Intelligenz lassen sich Frauen nicht beeindrucken, da wiegen andere Faktoren wesentlich schwerer fuer die Partnerwahl. Dass noch hoehere Intelligenz eher abschreckend wirkt, scheint sich dadurch zu bestaetigen, dass aussergewoehnlich viele hoechstbegabte Menschen Singles sind (der Begriff „hoechstbegabt“ ist definiert durch einen IQ >= 150).

      Es wurden nur außergewöhnliche Leistungen von Männern dokumentiert, Frauen fehlen dabei quasi völlig. Miller weist darauf hin, dass das mit der Entstehung des Patriarchats zusammenhängt. Das bestätigt auch die Tatsache, dass es wesentlich mehr Philosophinnen gab, als dokumentiert wurde. Das Auswahlkriterium ist nicht die Intelligenz an sich, sondern wie sie sich darstellt. Wir können ja niemanden in den Kopf schauen, aber bspw. wahrnehmen, wie kommunikativ er ist, und das ist z.B. für Frauen wichtiger als für Männer. Der IQ sagt über Charaktereigenschaften überhauptnichts aus, und „Gute“ sind bspw. wohl wichtiger, als nur ein Mathegenie zu sein. Wie schon gesagt, geht es nicht um die Intelligenz an sich, bei der Wahl eines Partners spielen zwischenmenschliche Werte sowie Fähigkeiten, die nicht nur für das Überleben wichtig sind, eine entscheidende Rolle.

      Somit stellt sich die Frage, wieviel Einfluss die Evolution des Gehirn im relativ kurzen Zeitabschnitt der letzten tausend bis zehntausend Jahre ueberhaupt auf die Intelligenz gehabt hat, oder ob die (scheinbar?) rasante Entwicklung der Intelligenz in der Neuzeit nicht anderen als nur biologischen Faktoren zuzuschreiben ist.

      Millers These ist ja, dass die Vergrößerung des Gehirns nur durch die besten Gene möglich war. Dass das auch Auswirkungen auf die Intelligenz hatte, ist ja nachvollziehbar. Das machte sich aber nur bei Einzelnen bemerkbar, die mit Sicherheit intelligenter waren als die in deinem obigen Beispiel. Das ist aber kein neues Phänomen, es waren ja immer nur wenige, die nicht nur außergewöhnlich intelligent waren sondern dadurch auch zu Leistungen fähig waren, die die Entwicklung der Gesellschaft beeinflussten. Ob immer zum Guten sei dahingestellt. Und nein, es kann gar nicht nur biologischen Faktoren zu geschrieben werden, denn sonst hätte ja bspw. Leonardo da Vinci schon 1505 mit seinen Segelfluggerät fliegen können.

      PS. Die Größe des Gehirns war vor ca. 100.000 Jahren dieselbe wie heute.

      • > Der IQ sagt über Charaktereigenschaften überhauptnichts aus,
        > und „Gute“ sind bspw. wohl wichtiger, als nur ein Mathegenie zu sein.

        Stimmt, allerdings kann ich auch nicht erkennen, dass besonders gute Charaktereigenschaften einen besonders hohen Stellenwert bei der Partnerwahl haetten, denn sonst wuerden nicht so viele Partnerschaften mit total zerstrittenen Partnern enden.
        Abgesehen davon halte ich gute Charaktereigenschaften fuer aehnlich selten wie hohe Intelligenz, und da mit der Vermutung stehe ich anscheinend nicht alleine da.

        > Wie schon gesagt, geht es nicht um die Intelligenz an sich, bei
        > der Wahl eines Partners spielen zwischenmenschliche Werte
        > sowie Fähigkeiten, die nicht nur für das Überleben wichtig
        > sind, eine entscheidende Rolle.

        …die aber alle mit durchschnittlicher Intelligenz bestens funktionieren.

        Beim Grossteil der Menschen habe ich den Eindruck, dass die Partnerwahl nur ein weiteres Mittel zum Zweck, den eigenen Status in der Gesellschaft zu sichern, ist. Der Partner oder die Partnerin werden auf die eine oder andere Art zum Aushaengeschild, sie werden anscheinend oft gewaehlt wegen des Eindrucks, den sie auf das Umfeld machen, um sich selbst damit zu „schmuecken“.
        Frag doch einmal ein paar Paare, was jeweils das ist, was ihnen aneinander gegenseitig besonders gefaellt, und schau, wieviel davon mit guten Charaktereigenschaften, mit zwischenmenschlichen Werten oder mit Intelligenz zu tun hat. Du wirst ueberrascht sein…

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.