Evolutionstheorie meets Philosophie…

Survival of the Fittest“ bedeutet im Sinne der Darwin’schen Evolutionstheorie „das Überleben der bestangepassten Individuen„. Da außer religiösen Fundamentalisten es nicht in Frage stellen, ist es heutzutage sozusagen eine alltägliche Weisheit. Dass wir Menschen uns gut anpassen können, hat uns einerseits unser Überleben ermöglicht andererseits war ein so großes Gehirn die Folge, das fürs Überleben gar nicht notwendig war. Frei nach G. F. Miller kann man es auch als das prächtige Federrad eines Pfauenhahns bezeichnen. Intelligenz, Verstand, Charme, Humor und künstlerische Fähigkeiten sind unter anderem unsere Federn. Während die drei Letzten fürs Überleben nicht wirklich notwendig sind, bedarf es dafür aber umso mehr Intelligenz und Verstand.

Umso unglaublicher ist die Tatsache, dass seit ca. 2.500 Jahren allgemein anerkannte Philosophen, die die Grundlage unseres heutigen Denkens schufen, Frauen als minderwertig diskriminiert haben, obwohl sie einen erheblich größeren Anteil nicht nur bei der Arterhaltung leisteten und nach wie vor leisten, sondern auch diejenigen waren und sind, die alles Lebensnotwenige tun, also alles, was jeden Tag direkt und unmittelbar für die Fortsetzung des Lebens notwendig ist. Frauen sitzen an den „Scharnieren“ zwischen privat und öffentlich, zwischen Bedürfnissen und ihrer Befriedigung, zwischen dem Hunger und dem Essen.

Sie sind die Allround-Managerinnen des Alltags, vor allem auch die Krisenmanagerinnen. Wenn es sein muss, sind sie rund um die Uhr im Einsatz, manchmal auch, wenn es nicht sein muss. Frauen funktionieren wie eine Art allgemeiner Roh- und Klebstoff der Gesellschaft.

Zweifelsfrei kann frau sich ob dieser Tatsachen fragen, wo bei Männern Intelligenz und Verstand abgeblieben sind, und ob bei ihnen von „bestangepassten Individuen“ überhaupt noch die Rede sein kann.

Eine zeitgemäße Kritik an diesen herrschenden Umständen wäre aus philosophischer Sicht, die Kritik an den Herrschaftsstrukturen des kapitalistischen Patriarchats. Dessen dominanter Denk- und Handlungsstil vor ca. 2.500 Jahren von Philosophen für Männer erfunden und legitimiert wurde, um eine maskuline Kontrolle über Frauen, besitzlosen Männern, Kindern, Land und Ressourcen zu sichern.

Dass eine patriarchalkritische Philosophiearbeit auch heutzutage noch an Unis kaum angenommen werden wird, kann ich bestätigen, weil ich u.a. selbst Philosophie studiere. Sobald die männliche Dominanz gefährdet ist, funktioniert nämlich die männliche Hegemonie wie frisch geschmiert.

Zum Schluss zitiere ich nur einige der mir bekannten ca. 70 Philosophen, die die Frau als minderwertig erklärt haben. Es sind zwar nur stinkende Scheißhaufen, aber ihr Gestank vernebelt auch noch heutzutage vor allem männliche Gehirne, und ist, wie gesagt, auch noch Grundlage des heutigen Denkens und Handelns.

384 – 322 – v.u.Z. Aristoteles:
Das naturgemäß Regierende und Regierte um der Lebenserhaltung willen. Denn was mit dem Verstand vorauszuschauen vermag, ist von Natur das Regierende und Herrschende, was aber mit seinem Körper das Vorgesehene auszuführen vermag, ist das von Natur Regierte und Dienende. Darum ist auch der Nutzen für Herrn und Diener derselbe.
Von Natur sind das Weibliche und das Regierte verschieden; – denn so wird jedes einzelne Werkzeug am schönsten herauskommen, wenn es nicht vielen Aufgaben, sondern nur einer einzigen dient.
3. Es handelt sich also um die Wissenschaft vom Herrenverhältnis, vom ehelichen Verhältnis (denn die Verbindung von Mann und Frau hat sonst keinen anderen Namen) und vom väterlichen Verhältnis (auch dieses hat keinen eigenen Namen).
12. Das eheliche Verhältnis (so steht es dem Manne zu), über die Frau und die Kinder zu regieren, über beide als über Freie, aber nicht in derselben Weise, sondern über die Frau als Staatsmann und über die Kinder als Fürst. Denn das Männliche ist von Natur zur Leitung mehr geeignet als das Weibliche.

um 10 – um 67 u.Z. Paulus:
Römischer briefeschreibender missionierender Apostel der christlichen Ur-gemeinde, verh., Zeltemacher: Die meisten christlichen Philosophen berufen sich in ihren Aussagen über die Geschlechterbeziehung zwischen den Menschen auf ihn und entwickeln in Kommentaren zu seinen Briefen ihre eigenen Auffassungen. Er wurde von der röm. kath. Kirche heilig gesprochen.
Standespflichten:
Seid einander untenan in der Furcht Christi. Die Frauen seien ihren Männern untergeben wie dem Herrn. Denn der Mann ist das Haupt für die Frau, wie Christus das Haupt für die Kirche, ist: er der Erlöser seines Leibes. Wie die Kirche Christus untenan ist, so seien es in allem auch die Frauen ihren Männern.

1225 – 1274 – Thomas von Aquin:
Daß die Ehe nur zwischen Einem und Einer bestehen muß. Bei den Menschen kommt aber noch als besonderer Grund hinzu, daß der Mensch, von Natur aus verlangt, über das Kind Gewißheit zu haben. Diese Gewißheit würde aber fortfallen, wenn mehrere ein und denselben Geschlechtspanner besäßen. Also geht aus dem Naturtrieb hervor, daß die Ehe nur zwischen Einern und Einer besteht.
Hierbei ist aber noch folgender Unterschied zu beachten: Daß nämlich ein und dasselbe Weib nicht von mehreren Gatten erkannt werde, dafür sprechen die beiden oben angeführten Gründe. Daß aber ein und derselbe Gatte nicht mehrere Weiber erkenne, dafür spricht nicht der zweite der beiden obigen Gründe, denn die Gewißheit um das Kind wird nicht aufgehoben, wenn ein und derselbe Gatte mehrere Frauen erkennt. Jedoch spricht hiergegen der erste Grund; denn wie die Freiheit, das Weib zu gebrauchen, für den Gatten dann zerstört wird, wenn das Weib noch einen anderen Gatten hat, so wird dieselbe Freiheit dem Weibe genommen, wenn der Gatte mehrere Frauen hat. Und daher, weil die Gewißheit betreffs des Kindes das Hauptgut ist, welches aus der Ehe erwächst, so erlaubt es kein Gesetz, noch irgendeine menschliche Gewohnheit, daß eine Gattin mehrere Männer habe.dann zerstört wird, wenn das Weib noch einen anderen Gatten hat, so wird dieselbe Freiheit dem Weibe genommen, wenn der Gatte mehrere Frauen hat. Und daher, weil die Gewißheit betreffs des Kindes das Hauptgut ist, welches aus der Ehe erwächst, so erlaubt es kein Gesetz, noch irgendeine menschliche Gewohnheit, daß eine Gattin mehrere Männer habe.

Die Frau ist ein Missgriff der Natur. Mit ihrem Feuchtigkeitsüberschuss und ihrer Untertemperatur körperlich und geistig minderwertiger. Sie ist eine Art verstümmelter, verfehlter, misslungener Mann“ – „Ein männlicher Fötus ist nach vierzig Tagen ein Mensch, ein weiblicher nach 80 Tagen. Mädchen entstehen durch schadhaften Samen oder feuchte Winde…“

1724 – 1804 – Immanuel Kant:
Der Charakter des Geschlechts
In alle Maschinen, durch die mit kleiner Kraft eben so viel ausgerichtet werden soll, als durch andere mit großer, muß Kunst gelegt sein. Daher kann man schon zum voraus annehmen: daß die Vorsorge der Natur in die Organisierung des weiblichen Teils mehr Kunst gelegt haben wird, als in die des männlichen, weil sie den Mann mit größerer Kraft ausstattete als das Weib, um beide zur innigsten leiblichen Vereinigung, doch auch als vernünftige Wesen, zu dem ihr am meisten angelegten Zwecke, nämlich der Erhaltung der Art zusammenzubringen, und überdem sie in jener Qualität (als vernünftige Tiere) mit gesellschaftlichen Neigungen versah, ihre Geschlechtsgemeinschaft in einer häuslichen Verbindung fortdauernd zu machen.

Zur Einheit und Unauflöslichkeit einer Verbindung ist das beliebige Zusammentreten zweier Personen nicht hinreichend; ein Teil mußte dem ändern unterworfen und wechselseitig einer dem ändern irgendworin überlegen sein, um ihn beherrschen oder regieren zu können. Denn in der Gleichheit der Ansprüche zweier, die einander nicht entbehren können, bewirkt die Selbstliebe lauter Zank. Ein Teil muß im Fortgange der Kultur auf heterogene Art überlegen sein: der Mann dem Weibe durch sein körperliches Vermögen und seinen Mut.

Der Mann geht mit Waffen in der Hand voran, und das Weib folgt ihm mit dem Gepäck seines Hausrats beladen. Zweck der Natur bei Einrichtung der Weiblichkeit war: 1. die Erhaltung der Art, 2. die Kultur der Gesellschaft und Verfeinerung derselben durch die Weiblichkeit. Weibliche Tugend oder Untugend ist von der männlichen, nicht sowohl der Art als der Triebfeder nach, sehr unterschieden. Sie soll geduldig, er muß duldend sein. Sie ist empfindlich, er empfindsam. Des Mannes Wirtschaft ist Erwerben, die des Weibes Sparen. Der Mann ist eifersüchtig wenn er liebt; die Frau auch ohne dass sie liebt.

1820 – 1903 – Herbert Spencer, von dem „Survival of the Fittest“ stammt:
Wir dürfen immerhin sagen, daß im allgemeinen der Mann doch mehr ruhige Überlegung und Gerechtigkeitsgefühl hat als die Frau und demgemäß die Autorität auf der Seite des Mannes liegen sollte, ganz besonders da er doch in der Regel die Mittel erwirbt, welche überhaupt die Erfüllung der Wünsche des einen oder beider Gatten möglich machen.

1838 – 1917 – Franz Brentano:
3. Über die Stellung der beiden Gatten zueinander möchte ich dem Urteile Benthams im wesentlichen beistimmen. Er verlangt:
a) Unterordnung der Frau. Der Mann soll Vormund sein, nicht umgekehrt. Schlimm steht es, wenn Legislative und Exekutive einander entgegenarbeiten. Im allgemeinen wird man sagen dürfen, daß die geistige Kraft des Mannes stärker ist, nicht als wären die Frauen weniger gescheit, wohl aber sind die meisten von geringerer Ausdauer in geistiger Arbeit.

1844 – 1900 – Friedrich Nietsche:
Zur Emanzipation der Frauen. – Können die Frauen überhaupt gerecht sein, wenn sie so gewohnt sind zu lieben, gleich für oder wider zu empfinden? Daher sind sie auch seltener für Sachen, mehr für Personen eingenommen: sind sie es aber für Sachen, so werden sie sofort deren Parteigänger und verderben damit die reine unschuldige Wirkung derselben. So entsteht eine nicht geringe Gefahr, wenn ihnen die Politik und einzelne Teile der Wissenschaft anvertraut werden (zum Beispiel Geschichte). Denn was wäre seltener als eine Frau, welche wirklich wüßte, was Wissenschaft ist? Die besten nähren sogar im Busen gegen sie eine heimliche Geringschätzung, als ob sie ir-gendwodurch ihr überlegen wären. Vielleicht kann dies alles anders werden, einstweilen ist es so.

1853 – 1900 – Wladimir Solovjev:
Die Rechtfertigung des Guten – Eine Moral-Philosophie.
Die geschlechtliche Gegensätzlichkeit, die in der Welt der vormenschlichen Organismen nur die allgemeine Wechselwirkung des formenden und des geformten Lebens, des aktiven und des passiven Prinzips ausdrückt, erhält für den Menschen eine bestimmtere und tiefere Bedeutung. Die Frau ist nicht wie die Weibchen der Tiere nur die Verkörperung der einen, der passiv empfangenden, Seite des natürlichen Seins, sie ist die konzentrierte Wesenheit der ganzen Natur, der endgültige Ausdruck der materiellen Welt in ihrer inneren Passivität, die bereit ist, überzugehen in ein neues, höheres Reich, bereit ist zur sittlichen Vergeistigung. Auch der Mann ist hier nicht nur das aktive Prinzip überhaupt, sondern er ist der Träger der eigentlich menschlichen Tätigkeit, die bestimmt wird durch den unbedingten Sinn des Lebens, dessen durch ihn auch die Frau teilhaftig wird. Und er seinerseits verdankt ihr die Möglichkeit der unmittelbaren nächsten Realisierung dieses Sinnes oder des absoluten Guten.

Ich hab den Verstand kotzen gesehen.

Alles, was von Männern über Frauen geschrieben wurde,
muss verdächtig sein,
da sie zugleich Richter und Partei sind.

von François Poulain de la Barre – Geb. 1647 – Gest 1723

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