Die evolutionäre Diktatur des Mannes…

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Für das Folgende nutze ich u.a. sozusagen auch das Web als neutrale Instanz. Dadurch spare ich nicht nur Zeit, sondern habe auch gleich Quellennachweise. Zitiertes ist blau. Die Schieflage, die sich durch die Dominanz männlicher Wissenschaftler darin zwangsläufig widerspiegelt, versuche ich so weit es mir möglich ist zu korrigieren. Das kann aber nur unzureichend sein, weil ich nicht alle Wissenschaftlerinnen kenne, für die die einseitige männliche wissenschaftliche Denkweise nicht akzeptabel ist.

Wikipedia – 1. Evolution & 2. Synthetische Evolution:
1. Evolution ist die Veränderung der vererbbaren Merkmale einer Population von Lebewesen von Generation zu Generation. Diese Merkmale sind in Form von Genen kodiert, die bei der Fortpflanzung kopiert und an den Nachwuchs weitergegeben werden. Durch Mutationen entstehen unterschiedliche Varianten (Allele) dieser Gene, die veränderte oder neue Merkmale verursachen können. Diese Varianten sowie Rekombinationen führen zu erblich bedingten Unterschieden (Genetische Variabilität) zwischen Individuen.

Evolution findet statt, wenn sich die Häufigkeit dieser Allele in einer Population (die Allelfrequenz) ändert, diese Merkmale in einer Population also seltener oder häufiger werden. Dies geschieht entweder durch natürliche Selektion (unterschiedliche Überlebens- und Reproduktionsrate aufgrund dieser Merkmale) oder zufällig durch Gendrift.

Die Theorie der Evolution durch natürliche Selektion wurde erstmals ausführlich von Charles Darwin in seinem 1859 erschienenen Buch The Origin of Species dargestellt. In den 1930er Jahren wurde die von Darwin herausgestellte natürliche Selektion mit den mendelschen Regeln zur Vererbung verbunden. Hieraus entstand die Synthetische Theorie der Evolution. Die synthetische Evolutionstheorie definiert Evolution als die zeitliche Änderung der relativen Allelhäufigkeiten (Allelfrequenzen) in einer Population. Mit ihrer außerordentlichen erklärenden und vorhersagenden Kraft wurde diese Theorie zum zentralen organisierenden Prinzip der modernen Biologie. Sie liefert eine fundierte Erklärung für die Vielfalt des Lebens auf der Erde.

2. Die Synthetische Evolutionstheorie ist eine konsistente Erweiterung der Evolutionstheorie von Charles Darwin durch vereinte Erkenntnisse der Genetik, Populationsbiologie, Paläontologie, Zoologie, Botanik und Systematik. In Darwins Werk Die Entstehung der Arten fehlten diese Elemente, die erst nach seinem Tod entdeckt bzw. entwickelt wurden. Bis zur Synthese waren diese Disziplinen voneinander getrennt.

Die Synthetische Evolutionstheorie oder im Zusammenhang kurz „Synthese“ ist auch unter dem veralteten Begriff „Neodarwinismus“ bekannt. Der Mediziner und Zoologe August Weismann (1834–1914) lieferte erste Gedanken zu dieser Synthese, die von den Evolutionsbiologen des 20. Jahrhunderts weiterentwickelt wurden. Einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt wurde die Synthetische Evolutionstheorie erstmals 1942 durch Ernst Mayr und Julian Huxley. Heute ist die Synthetische Evolutionstheorie das Standardmodell der Evolution, das ständig vervollständigt wird.

Der gravierende Unterschied zwischen 1 & 2 ist, dass die Synthese monokausal ist, sie folgt stringent dem Wirkungsmechanismus Mutation -> Selektion -> Adaption. Dadurch geht Darwins Pluralismus der natürlichen Selektion verloren. Darwin hat zusätzliche Blickwinkel nicht außen vor gelassen, auch wenn er sie nur ungenügend erklären konnte. So enthält „Die Entstehung der Arten“ einen ausführlichen Abschnitt „Embryologie“. Darwin war ferner überzeugt davon, dass Umwelteinflüsse Auswirkungen auf die Vererbung haben. Auch die eingeschränkte Sicht, dass die natürliche Selektion ausschließlich auf der Ebene des Individuums wirken kann, hat Darwin offener gesehen. Ob das Einbinden anderer Wissenschaftsdisziplinen in die Synthese Darwins Pluralismus wirklich ersetzen kann, bezweifel ich. Zumal auch Mutationen nicht einfach so mutieren sondern aufgrund einer Ursache, die aber die Mutation ja nicht selbst sein kann. Genauso wenig wie Selektion die Ursache von Evolution sein kann. Genau andersherum wird ein Paar Schuhe daraus.

Wir verdanken die Vergrößerung unseres Gehirns nicht zufälligen Mutationen unserer Gene, zumal ja es für unser Überleben an sich auch gar nicht notwendig war. Fragwürdig erscheint mir auch, da sich die synthetische Evolution als Erweiterung der darwinischen Evolutionsthese versteht, warum sie sich nicht explizite von dem Überleben des am Bestenangepassten distanziert, denn das passiert ja nur durch Ursachen und nicht durch zufällige Mutationen. Das Ganze schnuppert nach biologistischen Theorien die behaupten, dass die Überlegenheit des Mannes naturgegeben ist. Dass es nach dieser Theorie reiner Zufall wäre, ändert ja nichts an der biologischen Beweisführung.

Dagegen ist es wohl kein Zufall, dass die synthetische Evolutionstheorie nur von männlichen Wissenschaftlern entwickelt wurde und obendrein zum Standardmodell der Evolution auserkoren wurde.
Ein Schelm, der dabei an die Erhaltung männlicher Dominanz denkt. 😉

Dass die Wissenschaftler bei ihrer Mutationsformel übersehen, dass die Mutation unserer Gene rein zufällig genau dem entspricht, wie sie uns Frauen haben wollen, offenbart nicht nur, dass ihre Formel nix taugt, sondern vor allem ihre Dämlichkeit. 🙂

Auch kein Zufall ist es, dass deswegen weibliche Wissenschaftlerinnen, seien es bspw. Philosophinnen oder Psychologinnen, die ganze Chose anders sehen, bzw. aus weiblicher Sicht.

Natalie Angier ist es bspw. leid: Mir von Evolutionspsychologen, Neodarwinisten oder Geschlechtsbiologen erzählen zu lassen, sämtliche je über uns verbreiteten Enten seien doch die reine Wahrheit. Es hängt mir ehrlich gesagt allmählich zum Hals raus, wie man uns das Etikett „Naturwissenschaft“ an den Weiberhintern klatscht und anschließend mit einem Gewäsch von scheinbar knallhartem Realismus festklebt.

Luce Irigaray schreibt u.a. in ihrem Buch „Welt teilen“:
Wir lebten in der Illusion, unsere Welt sei die einzig mögliche und gültige Welt. Die Entdeckung, dass der andere existiert – gehöre dieser einem anderen Geschlecht, einer anderen Generation oder einer anderen Tradition an -, zwingt uns, den Horizont dieser Welt neu zu denken. Während zuvor eine Logik des Selben, des Gleichen, des Identischen unsere Denk-, Seins-, und Koexistenzweise dominierte, müssen wir von nun an den Akzent auf die Differenz legen. Die Natur lehrt uns, dass eine Differenz, eine einzige, gleichfalls universell und qualitativ, ist diejenige, die die Menschheit in zwei Geschlechter teilt: Mann und Frau, die tatsächlich verschiedene Welten bewohnen. Das menschlich Reale besteht aus zwei Subjekten, die nicht aufeinander zu reduzieren sind. Wenn das Projekt einzig von der Absicht des Mannes ausgeht, ist es zugleich partiell und parteiisch. In diesem eingekreisten Horizont, der zu jedem Zeitpunkt endlich ist, kommt die Debatte des Mannes mit sich selbst und seinesgleichen gewissermaßen der abgedroschenen Wiederholung einer vorgegebenen Realität und Wahrheit gleich.

Anne Wilson Schaef schreibt in ihren Buch „Weibliche Wirklichkeit – Frauen in der Männerwelt“ über die Mythen und Mechanismen der Männerwelt:
Der weibliche Blick auf die gesellschaftliche Wirklichkeit.
In unserer westlichen Industriegesellschaft werden Frauen in eine Kultur hineingeboren, in der das »System des Mannes« herrscht. Jahrhundertelang haben Frauen sich diesem Prinzip, das dem weiblichen Wesen eigentlich fremd ist, unterworfen und den männlichen Herrschaftsanspruch anerkannt.

Die amerikanische Psychotherapeutin Anne Wilson Schaef entlarvt die Mythen und Mechanismen der Männerwelt und kommt zu dem Schluss: Es gibt ein weibliches System, das der analytisch geprägten Sichtweise des Mannes die Ganzheit und auf Entwicklung bedachte Lebenswelt der Frau gegenüberstellt.

Dass auch beim Sex männliche Ansichten dominieren ist natürlich auch kein Zufall. Sex ist aber nicht nur sexuelle Reproduktion, auf die es Religionen reduzierten und immer noch reduzieren, sondern dient vor allen unserer Lust. Und weil beides obendrein abhängig von unserem WOLLEN ist, hat Männer veranlasst, mit den größten Schwachsinn über unsere weibliche Sexualität zu behaupten, der jemals auf unserem Planeten behauptet wurde.

Religion & Sex:
Die männlich geprägte Kulturgeschichte der Liebe belegt, dass die Religion einen entscheidenden Einfluss auf die Normen nimmt, die Ehe und Sexualität regeln. Die katholische Kirche etwa setzte einen kulturellen Code der sexuellen Enthaltsamkeit durch und prägte das Ideal der romantischen Liebe als einer rein geistigen Empfindung, die vom Sexualtrieb abgespalten ist, und bringt Sexualität mit der Ursünde in Verbindung. Da das Christentum nur ein erfundenes Instrument für die männliche Machterhaltung war und ist, verdeutlicht zweifelsfrei, das es nur ein perverses Mittel zum Zweck ist.

Fazit:
Die evolutionäre Diktatur des Mannes geht nichtsdestotrotz zu Ende. Das belegt nicht nur Rolf Pohls Krise der Männlichkeit: Die Wichtigkeit des Vaters ist zwar für eine männlich dominierte Gesellschaft folgerichtig mindert aber keines Wegs deren in Fragestellung. Ganz im Gegenteil, es ist zweifellos der wichtige erste Schritt, um diese erfundene Wichtigkeit überwinden zu können, da sie eh nur zur Aufrechterhaltung der willkürlichen männlichen Dominanz dient.

Sondern auch die Tatsache, dass von dieser Krise quasi alle Männer betroffen sind, sei es ein Manager, sei es ein normaler Arbeiter.

Zitiere „Heldendämmerung“ von Ute Scheub:
In der Politik spielt Männlichkeit respektive die Krise derselben eine ebenso wichtige Rolle wie die Abhängigkeit von Erdöl und das Schwanken der Aktienkurse. In ihrer Identität verunsicherte Männer neigen zu Aggressivität und Wut; als politische Führer schüren solche Männer Krisen oder zetteln gar Kriege an. Das gilt besonders für das 20. und 21. Jahrhundert, in denen Frauenemanzipation und Globalisierung das traditionelle Machtverhältnis zwischen den Geschlechtern ins Wanken gebracht haben. Von Manila bis Moskau, von Prishtina bis Pretoria, von Casablanca bis Chemnitz wird die Rolle von Männern im öffentlichen und privaten Bereich infrage gestellt.

Bleibt die Frage;
wann Männer bemerken, dass ihr normativ tradiertes Männlichkeitsbild
ein sinkendes Schiff ist.