Die verlorene Geschichte der Amazonen…

Mein Senf: Da die Historie sowohl nur von Männern dokumentiert wurde als auch fast nur die männlichen Heldentaten inbrünstig besingt und alles Weibliche willkürlich ausgeblendet wurde (und nach wie vor wird). Wie bspw. mit den Philosophinnen, (die geltende Zeittafel der Philosophie) haben mich vor allem die Interpretationen des Amazonenmythos interessiert. Und siehe da, sie unterscheiden sich nicht wirklich von den Heutigen des Matriarchats. Einerseits verständnislos, da fremd. Andererseits nach typisch männlich wertenden Gesichtspunkten. Auffallend ist, dass die Amazonen für die antiken Griechen keine Fantasie war, sondern für sie haben sie vor ihrer Zeit tatsächlich existiert. Mein Senf zu den typisch männlichen Auslegungen ist blau.

Kurzbeschreibung
Dieses Buch begibt sich auf die Spuren der sagenumwobenen Amazonen. Es beleuchtet die berühmte Amazonensage in all ihren Facetten, begibt sich auf eine archäologische Spurensuche und liefert neueste Forschungserkenntnisse aus der legendären Heimat der Amazonen am Fluss Thermodon und von der einst von Amazonen bewohnten Insel Lemnos. Eingehende Untersuchungen der antiken Amazonensagen in Kombination mit neuesten Entdeckungen vor Ort entschlüsseln den geheimnisvollen Mythos über das berühmte Frauenvolk. Zahlreiche Abbildungen dokumentieren die Forschungsergebnisse. Diese neuesten – unvoreingenommenen – Forschungen bringen das eingefahrene Geschichtsbild ins Wanken. Zahlreiche archäologische und historische Spuren deuten darauf hin, dass die Amazonen wirklich existierten hatten! Auf Basis dieser neuesten Erkenntnisse kann die verloren gegangene Geschichte der Amazonen rekonstruiert werden.

Über den Autor
Der Autor dieses Buches, Gerhard Pöllauer, ist Archäologe und Althistoriker und widmet sich seit über 20 Jahren der Erforschung der Amazonen.

Quelle: amazon.de

Einleitung:

Als ich Mitte der achtziger Jahre als junger Student alleine und auf eigene Faust nach Spuren der Amazonen suchend zu Fuß die Landschaft am Fluss Thermodon durchkämmte, wurden meine Aktivitäten von der einheimischen Bevölkerung argwöhnisch beobachtet. Es gipfelte darin, dass eines Nachts eine Gruppe von zehn bis fünfzehn Türken in meinem Quartier auftauchten, um meine Unterlagen – Skizzen und Pläne – zu sehen. Ab diesem Zeitpunkt wurde mir ein Einheimischer zur Seite gestellt, der mich auf all meinen Wegen begleitete. Grund des Argwohns der Einheimischen war, dass sie glaubten, ich wüsste wo wertvolle Schätze zu finden wären, weswegen sie mich nicht mehr aus den Augen ließen. Laut den Angaben der Einheimischen sollen bereits wertvolle Goldschätze in dieser Region gefunden worden sein, und sie hofften, ich könnte sie zu einem Schatz führen.

Doch das Gegenteil war der Fall, sie führten mich zu Plätzen, die ich alleine nie gefunden hätte. Man zeigte mir Monumente, die nur die Einheimischen kannten, und sie gaben mir somit den Schlüssel zur Entdeckung der Amazonenkultur!

Wenn man sich mit dem Thema «Amazonen» intensiv und ohne Einschränkungen befasst, begibt man sich leicht in Gefahr, von konventionellen Gelehrtenkreisen mit dem Etikett der Unwissenschaftlichkeit versehen und in weiterer Folge mit dem Vorwurf der mangelnden Seriosität abgetan zu werden. Der Inhalt dieses Mythenkomplexes ist so weit von unserer heutigen (aber auch von der antiken) Vorstellungswelt entfernt, dass allein der Versuch, hinter dieser Sage mehr zu sehen, als bloß ein Produkt menschlicher Phantasie, suspekt macht.

Tatsächlich umgab schon in der Antike diesen Mythos eine Aura des Unverständnisses und des Unmöglichen. Nichtsdestotrotz genoss diese Sage große Beliebtheit und gewann mehr und mehr an Umfang durch zahlreiche Variationen und Ausschmückungen, wiewohl der substantielle Gehalt niemals verloren ging.

In unserem überaus technisierten Zeitalter hat dieser Mythos kaum mehr Stellenwert als ein interessanter Sciencefiction Stoff. Trotzdem ist die Kenntnis dieser Sage sehr verbreitet, kaum jemand kann nichts mit dem Wort «Amazone» anfangen, dieser Begriff ist heutzutage fester Bestandteil der Alltagssprache. Allerdings hat sich seine Bedeutung im Laufe der Zeit gewandelt. Nicht nur die Vorstellung eines kriegerischen Frauenvolkes der griechischen Sage wird damit verknüpft, sondern es wird auch, so etwa im Duden Fremdwörterbuch, eine betont männlich auftretende Frau oder ein sportliches, hübsches Mädchen von knabenhaft schlanker Erscheinung als Amazone bezeichnet.

Überdies gibt es den Ausdruck «Amazonenspringen», darunter versteht man ein Springreiten, an dem nur Reiterinnen teilnehmen. Wie könnte man kurz und bündig den ursprünglichen Grundgehalt dieses Mythos definieren?

Im Altertum galten die Amazonen als ein Frauenvolk, das ohne Männer oder nur mit geknechteten Männern ein Gemeinwesen bildete und durch Kampfeskraft ihre Unabhängigkeit zu behaupten wusste.
Diese Vorstellung hat von jeher die Menschen fasziniert und ihre Phantasie beflügelt. Doch es stellte sich die Frage: Was steckt nun hinter dieser Sage? Dieses Problem wurde von vielen mehr oder minder geistreich zu enträtseln versucht. Im Kern basieren alle diese Lösungsversuche auf einer der drei folgenden Thesen bzw. auf deren Kombinationen:

1. Es ist ein reines Phantasieprodukt, das, einmal entstanden, immer
wieder weitergesponnen wurde, bis es seine endgültige Ausgestaltung
fand.

2. Es steckt doch ein «Kömchen» Wahrheit dahinter, irgendwelche kurzzeitigen Erscheinungen, die missverstanden oder überinterpretiert, den Kern der Sage bildeten.

3. Es gab tatsächlich solch ein Frauenvolk, das mangels eigener schriftlicher Hinterlassenschaft und wegen des Fehlens bzw. Missdeutens archäologischer Funde aus dem geschichtlichen Horizont verschwand.

Bisher fand noch kein Lösungsversuch ungeteilte Zustimmung. Es setzt sich immer mehr durch, die Frage nach dem Ursprung dieses Mythos beiseite zu schieben, und nur noch die vielfältigen Erscheinungen dieser Sage zu behandeln.

Ich wollte mich mit einem derartigen Status quo nicht zufrieden geben und versuchte so viel wie möglich über diese Sage und deren Fortentwicklung im Laufe der Geschichte in Erfahrung zu bringen, ohne mich hierbei auf die Altertumswissenschaften zu beschränken. Daraus formte sich ein äußerst vielschichtiges, teilweise unüberschaubares Bild, doch je mehr man sich in diese Materie vertiefte, desto klarer und verständlicher bildete sich eine mögliche Lösung dieses Rätsels heraus.

Ich versuche in diesem Buch, das Amazonenphänomen in all seinen Facetten aufzuzeigen und zu durchleuchten, um es einer Aufklärung näher zu bringen. Um diese Sage überhaupt ergründen zu können, ist es zuallererst notwendig, die früheste Überlieferung darzustellen. Sie bildet das Fundament ohne das eine Lösung undenkbar wäre. In der Folge blicken wir über die engen Grenzen der klassischen Antike, um zu sehen, wo sonst in der Welt amazonenähnliche Traditionen vorkommen. Der nächste Schritt war es, die mannigfaltigen Lösungsvorschläge des Amazonenproblems zu erörtern.

Als Wichtigstes erachtete ich, diese vielfältigen Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen bzw. ihre Wahrscheinlichkeit abzuschätzen. Zu diesem Zwecke wurde die mutmaßliche Heimat der Amazonen vor Ort eingehend erkundet. Das Vorgefundene lieferte wertvolle Mosaiksteine zur Rekonstruktion der Amazonengeschichte. Schließlich komplettierte ich meine Untersuchungen durch eine gründliche Erarbeitung der historischen Zeugnisse und fand datin eine Untermauerung meiner Forschungsergebnisse.

Meine Interpretationen berücksichtigen die – von der traditionellen Forschung noch immer zumeist abgelehnte – Vorstellung, dass in der Vor-und Frühgeschichte der Menschheitsentwicklung matriarchale Lebensformen sehr verbreitet waren. Doch ging ich nicht, auf einem matriarchalen Geschichtsbild basierend, daran, die Sage von den Amazonen einer Lösung näher zu bringen. Im Gegenteil, mein Streben war es von der konventionellen Forschung aus, das Amazonenphänomen möglichst gründlich zu erarbeiten.

Doch je intensiver ich mich mit diesem Thema befasste, desto klarer wurde mir, dass in der Vorgeschichte es die Frauen waren, die die wichtigen, teilweise den Männern übergeordneten Positionen in der Gesellschaft innehatten. Die Sage von den Amazonen ist nur ein Teilaspekt dieser gesellschaftlichen Gegebenheiten, doch ob ihres hohen Bekanntheitsgrades sind sie von eminenter Bedeutung für eine notwendige Neuinterpretation der alten Geschichte.

Grundlage meiner Arbeit war es dennoch, möglichst wertfrei das Amazonenphänomen darzustellen. Nicht ein eingefahrenes Geschichtskonzept bildete den Ausgangspunkt meiner Untersuchung, sondern einzig der Wunsch, mehr Licht in den rätselhaften Mythos der Amazonen zu bringen. Trotzdem hänge ich der Hoffnung nach, durch mein Buch auch der traditionellen Lehre Anstöße zu einem Neuüberdenken des herkömmlichen Geschichtsbildes zu liefern!

Kapitel l
Amazonen in der antiken Literatur.
Antike Nachrichten über Amazonen gibt es in großer Zahl.  Schon bei Homer, dem «Vater» der europäischen Literatur,  finden die Amazonen zweimal ausdrücklich Erwähnung. Beide Male wird auf sie in der Ilias, dem Epos, das den Kampf der griechischen Achäer gegen die Trojaner vor Troja zum Inhalt hat, eingegangen. Als Zeitpunkt der Entstehung dieses Werkes wird herkömmlich die Zeit um 700 v.Chr. angenommen. In der einen Stelle der Ilias erinnert sich Priamos, der Fürst von Troja, dass er in der Jugend gemeinsam mit den Phrygern gegen sie gekämpft hatte: Die Stelle lautet in Übersetzung folgendermaßen (III, 184-190):

Einstens kam ich sogar in Phrjgiens Rebengeßlde,
Wo ich rossetummelnde Phryger in Massen erblickte,
Otreus‘ Volk und das Heer des götterähnlichen Mygdon,
Die sich am Ufer des Sangarios damals gelagert;
Wurde doch ich als Bundesgenoß zu ihnen gerechnet
Jenes Tags, da mit männlicher Kraß Amazonen sich nahten.
Doch so zahlreich waren sie nicht wie die stolzen Achaier!

In der anderen Iliasstelle hören wir, dass der griechische Held Bellerophon sie in Lykien besiegt hatte. Sie lautet übersetzt (VI, 186):
Drittens erschlug er die männerähnliche Schar Amazonen.

Welche Aufschlüsse können wir aus diesen beiden – frühesten -Erwähnungen gewinnen?
So erfahren wir einmal, dass schon in der Ilias die Amazonen in die Vergangenheit gerückt werden – der greise Priamos blickt zurück in seine Jugend (Einstens…), auch die Geschichte um Bellerophon wird rückblickend erzählt. Interessant ist weiters, dass die Amazonen jedes Mal mit dem Attribut «antianeirai» gekennzeichnet werden. In der hier verwendeten Übersetzung wurde das gleiche Wort einmal mit «männerähnlich», das andere Mal mit «männliche Kraft» übersetzt.

Die Deutung dieses Wortes war schon in der Antike nicht unumstritten, einige übersetzten es in der Bedeutung «männergleich» (bzw. -ähnlich), andere dagegen als «männerfeindlich». Wahrscheinlicher ist die Interpretation des Wortes als «männerähnlich», in der Bedeutung, dass die Amazonen den Männern im Kampf ebenbürtig sind. Das bestätigt das Attribut des Phrygerfürsten Mygdon, der als «götterähnlich» beschrieben wird (s. oben, Ilias III 186), das griechische Wort «antitheos» entspricht von der Zusammensetzung her dem «antianeirai».

Weiters ist bei Homer herauszulesen, dass die Amazonen beide Male in Kleinasien lokalisiert werden, einmal am Fluss Sangarios, dem heutigen Sakarya Nehri, in Nordwestkleinasien, das andere Mal in Südwestkleinasien in der Landschaft Lykien.

Eine weitere Passage der Ilias wird mit den Amazonen in Verbindung gebracht, obwohl sie darin nicht direkt erwähnt werden. Im zweiten Buch wird das Grabmal der Myrine in der Troas erwähnt. Die Stelle lautet folgendermaßen (II, 811-814):
Draußen liegt vor den Toren der Stadt ein ragender Hügel
Abgesondert im Felde, von allen Seiten umgehbar.
Dieser wird Batieia genannt von den sterblichen Menschen,
Und von den Göttern das Mal der sprunggeübten Myrine.

Der Name Myrine ist ein typischer Amazonenname. Der als zuverlässig geltende griechische Geograf und Historiker Strabon (etwa 64 v.Chr. – um 19 n.Chr.) geht auf diese Iliasstelle ein und bestätigt, dass Myrine eine Amazone gewesen ist. Er schließt dies aus ihrem Attribut «sprunggeübt», diesen Beinamen trägt sie wegen ihrer Schnelligkeit im Wagenlenken! Diese Stelle scheint das Grabmal einer Amazone zu beschreiben, die in einem Hügelgrab vor den Toren Trojas bestattet worden ist!

Die Angaben bei Homer wurden deshalb so ausführlich behandelt, weil sie die ältesten sind. Ginge man daran, sämtliche antiken Amazonenerwähnungen derart eingehend zu erörtern, würde dies ein ganzes Buch füllen. Deshalb nenne ich aus der Fülle der Erwähnungen der Folgezeit nur jene, die meines Erachtens Wesentliches zum antiken Bild der Amazonen beitragen.

Pindar, ein griechischer Dichter, der Ende des 6Jhs. und in der 1. Hälfte des 5Jhs. v.Chr. lebte, spricht von den «Amazones euippoi», d.h. dass sie gut zu Pferd waren. Weiters hören wir von ihm, dass sie mit eisernen Bogen bewaffnet waren. In den meisten Quellen gelten die Amazonen als ausgezeichnete Reiter und gute Bogenschützen. Sie sollen dermaßen sattelfest gewesen sein, dass sie beim Reiten niemals stürzten.

Bei Lysias, einem athenischen Redner des 5./4. vorchristlichen Jahrhunderts, beruht ihre Überlegenheit gerade darauf, dass sie als erste Waffen aus Eisen besaßen und auf Pferden ritten.
Häufige Erwähnung findet auch ihre Gegnerschaft zu den Männern, so etwa bei Aischylos, dem berühmten griechischen Dramatiker (6./5.Jh. v.Chr.), der sie «styganores» (= männerhassend) nennt.
Von Herodot, dem angesehenen griechischen Historiker, welcher im 5. vorchristlichen Jahrhundert wirkte und von Cicero als Vater der Geschichtsschreibung gewürdigt wurde, erfahren wir einiges über die Amazonen. So erzählt er in seinem Werk, dass sie mit dem skythischen Beinamen «Oiorpata» (= Männertöter) bezeichnet wurden. Weiters erwähnt er, dass sie die gleichen Kleider wie die Männer trugen. Herodot ist auch der erste, der versucht, die Amazonen ethnologisch zu fassen.
Da es im 5. vorchristlichen Jahrhundert schon seit ca. 6.000 Jahren das Patriarchat gab, ist der Begriff Männertöter schlicht ein Witz. Denn die blutrünstigen Kriegsmeuten der Patriarchate bestanden ja nur aus Männern.

Er glaubt, dass die Frauen der Sauromaten* Nachkommen der Amazonen seien. Er berichtet von der dort herrschenden Sitte, dass ein Mädchen erst heiraten durfte, wenn es einen Feind im Kampf getötet hatte. Ist für mich männlicher Hirnfick.

Der griechische Schriftsteller Xenophon (um 430 – 354 v.Chr.) nennt die Ausrüstung der Amazonen, und zwar den persischen Bogen, den Köcher und das Doppelbeil. In der Literatur ist oft zu lesen, dass sie den Kampf geradezu liebten, man betrachtete sie als besonders heldenmütig und tapfer. Sie gelten als Töchter des Kriegsgottes Ares. Apollonios von Rhodos (3Jh. v.Chr.) erzählt, dass sie Ares kultisch verehrten. Auf der Insel des Ares hätten Amazonen ihm zu Ehren einen steinernen Tempel errichtet, beteten darin einen schwarzen heiligen Stein an und opferten Pferde.

* ein nomadisierender Volksstamm, der um die Mitte des l. vorchristlichen Jahrtausends nordöstlich des Schwarzen Meeres siedelte.

Eng verflochten sind die Amazonen außer mit dem Kriegsgott Ares noch mit der Jagdgöttin Artemis, sollen doch diese kriegerischen Frauen nach einer Version das berühmte Artemisheiligtum von Ephesos gegründet haben. Pausanias, ein Reiseschriftsteller des 2.Jh. n.Chr., bestreitet diese Auffassung heftig, er glaubt, dass die Amazonen im Heiligtum nur Zuflucht vor Herakles und Dionysos gefunden haben.

Es gibt ansonsten wenige Nachrichten über den Kultus der Amazonen. So soll in der Stadt Pyrrichos, in der südgriechischen Landschaft Lakonien gelegen, ein Apollon Amazonios verehrt worden sein, dessen Kultbild von den am Fluss Thermodon ansässigen Amazonen gestiftet worden sei.

Auch über die Kunstfertigkeit der Amazonen gibt es Nachricht, so sollen laut Euripides, dem berühmten griechischen Tragödiendichter (5Jh. v.Chr.), von den Amazonen Stoffe mit eingewebten Darstellungen erbeutet worden sein.

Um eine Vorstellung zu vermitteln, wie man sich in der Antike die Lebensformen der Amazonen vorstellte, zitiere ich hier einen Auszug aus der Universalgeschichte des Diodor von Sizilien. Dieser lebte im 1. vorchristlichen Jahrhundert und verbrachte Teile seines Lebens in Alexandria (Ägypten) und Rom. Er soll angeblich 30 Jahre an seinem Hauptwerk gearbeitet haben, wobei er durch Reisen und Studien in Archiven (ihm stand die berühmte Bibliothek von Alexandria zur Verfügung, die wenige Jahre später unter Caesar einem Brand zu Opfer fiel) sein Wissen bereicherte.

Da sein Werk im wesentlichen auf älteren uns zum Großteil nicht erhalten gebliebenen Geschichtsbüchern beruht, sollte man den historischen Wert seiner Arbeit nicht unterschätzen. Ich zitiere aus seinem zweiten Buch (II, 45):

Am Fluß Thermodon wohnte ein Volk, welches durch Frauen beherrscht war. Die Weiber beteiligten sich dort an den Dingen des Krieges ganz ebenso wie die Männer1. Eine aus diesen Frauen, welche königliche Gewalt besaß, soll durch Mut und Stärke alle anderen übertroffen und ein Heer von Weibern gesammelt haben, welches sie in den Waffen übte und siegreich gegen einige Nachbarvölker kämpfen ließ. Als dann ihre Macht wie ihr Ruhm immer mehr und mehr wuchsen, überzog sie weiterhin mit ihren Heeren die Nachbarländer, und da das Glück ihr günstig war, so wurde sie mit hohem Stolz erfüllt und nannte sich selber eine Tochter des Ares; den Männern aber wies sie das Wollspinnen zu und die Arbeiten der Weiber im Hause.

Auch erließ sie Gesetze, durch welche die Weiber zu den Werken des Krieges bestimmt, die Männer aber zu Dienst und Knechtschaft2 erniedrigt wurden. Den neugeborenen Knaben verstümmelten sie Beine und Arme3, um sie zu kriegerischen Dingen unfähig zu machen, den Mädchen aber brannten sie die rechte Brust4 weg, damit diese durch ihre spätere Erhöhung in der Blütezeit des Körpers ihnen nicht hinderlich sei, und eben aus dieser Ursache habe das Volk den Namen Amazonen* erhalten. Überhaupt sei diese Königin wie an Feldherrntüchtigkeit, so an Einsicht ausgezeichnet gewesen und habe auch eine große Stadt gegründet an den Mündungen des Thermodon-Flusses, mit Namen Themiskyra, und daselbst eine weit berühmte Königsburg gebaut.

Auf ihren Feldzügen wußte sie treffliche Zucht aufrecht zu erhalten und besiegte anfangs alle benachbarten Völker bis zum Fluß Tanais**, nachdem sie solche Taten ausgeführt, soll sie in einer Schlacht ruhmvoll kämpfend den Heldentod gefunden haben.

* aus dem Griechischen übersetzt bedeutet es «brustlos», allerdings ist diese Übersetzung umstritten
** der Fluss Don in Südwestrussland

Diodor zeichnet ein in der Antike sehr geläufiges Bild von den Amazonen. In seiner Darstellung leben die Amazonen in Gemeinschaft mit geknechteten Männern, welche in der Kindheit verkrüppelt wurden. Es gibt auch die Variante, wonach die Amazonen ohne Männer lebten, ihre Nachkommenschaft durch gelegentliche Zusammenkunft mit Männern der Nachbarvölker sicherten, dabei aber die neugeborenen Knaben entweder töteten oder den Vätern überließen.

1 „ganz ebenso wie die Männer“, verstehe ich nicht als NUR die Frauen.
2 nur weil die Amazonen als dominant galten, bedeutet ja nicht zwingend Männer zu knechten.
3 jede Verkrüppelung mindert Leistung, folglich ist es unsinnig jemanden, zu verkrüppeln.
4 was eine Brust zu amputieren mit der Blütezeit des Körpers zu tun haben soll, wissen wohl mal wieder nur Männer. Ergo; nichts als Hirnfick.

Résumé:
Für mich lebten die Amazonen matrilinear und mussten ihre Kultur gegen kriegerisch expansive Patriarchate verteidigen. Ich vermute aber nur im Notfall MIT den Männern, denn hätten nur sie gekämpft und auch getötet werden können, wäre ihre Kultur ob der fehlenden Gebärfähigkeit der Frauen sofort vernichtet worden.
Wenn NUR Männer die Historie sowie Evolution interpretieren, kam schon damals nur Scheißdreck heraus.

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